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Bestatter: Ausbildung zur Bestattungsfachkraft

Bestattungsfachkraft

Name: Sören Bergstermann-Schweer
Alter: 22 Jahre
Wohnort: Osnabrück
Schulabschluss: Realschule
Lieblingsfach: Mathe
Ausbildungsberuf: Bestattungsfachkraft, im zweiten Ausbildungsjahr

Alles für den Abschied

Wer sich von den Gefühlen anderer direkt anstecken lässt, sollte sich besser für eine andere Ausbildung entscheiden. Denn als Bestatter muss man auch in emotionalen Situationen einen kühlen Kopf behalten und trotzdem Mitgefühl beweisen.

Zunächst hat Sören eine Schlosserlehre absolviert – anschließend war er sich erst einmal unsicher, was er tatsächlich beruflich machen möchte. „Irgendwann war aber für mich klar, dass ich als Azubi in den Familienbetrieb einsteigen möchte“, sagt der 22-Jährige. In seinem Fall bedeutet das: eine Lehre als Bestatter. Ein Problem damit, jeden Tag mit dem Thema Tod in Berührung zu kommen hat er nicht. „Ich bin schließlich damit groß geworden.“

Wer schon einmal einen lieben Menschen verloren hat weiß, dass so ein Verlust hart ist. Zeit zum Trauern bleibt in den ersten Tagen aber oft nicht, denn es müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Wann, wo und wie soll der Verstorbene bestattet werden? Welche Musik soll bei der Trauerfeier gespielt werden? Und wie sollen Trauerhalle und Sarg oder Urne dekoriert werden? Viele Trauernde fühlen sich davon überfordert – hier kommen die Bestattungsfachkräfte ins Spiel.

Sie können zwar nicht dabei helfen, den Verlust zu verarbeiten – doch sie können sämtliche Formalitäten übernehmen, die Beerdigung organisieren und die nötige Zeit für Trauer und Andacht ermöglichen.

Ein Beruf, in dem man sich viel Zeit nimmt

„Wir bereiten die Beerdigungen vor und sind von Anfang bis Ende mit dabei“, sagt Sören. Am Anfang steht immer ein ausführliches Gespräch mit den Angehörigen des Verstorbenen. „Viele haben schon eine ungefähre Vorstellung davon, wie die Bestattung ablaufen soll“, weiß der 22- Jährige Osnabrücker aus Erfahrung. Unter anderem muss besprochen werden auf welchem Friedhof der Verstorbene beerdigt wird und ob es eine Erd- oder Feuerbestattung geben soll. „Außerdem sprechen wir Termine mit dem Friedhofsamt, Priestern und Trauerrednern ab“, ergänzt Sören.

Auch die Dekoration der Trauerhalle und des Sargs oder der Urne ist ein Thema, mit dem sich der angehende Bestatter beschäftigt. Meist geht es um die farbliche Abstimmung von Blumen und anderen Elementen, manchmal werden aber auch sogenannte Themenbestattungen organisiert, bei denen die Bestatter mit Hilfe verschiedener Accessoires beispielsweise „den Fluss des Lebens“ nachbilden. Aber auch Hobbys der Verstorbenen werden hin und wieder aufgegriffen. Auch um die Musik für eine eventuelle Trauerfeier kann er sich als Bestattungsfachkraft kümmern. Manchmal wird ein Organist organisiert oder aber Musik vom Band abgespielt. „Ich begleite auch Trauerfeiern, spiele eventuell Musik ab oder trage die Urne oder den Sarg mit zum Grab“, ergänzt Sören. Das Bestattungshaus Bergstermann-Schweer hat außerdem eine eigene Trauerhalle und Abschiedsräume, sowie eine eigene Trauerdruckerei und -floristik. „Außerdem kümmern wir uns auch um die Abmeldung von Versicherungen und andere Formalitäten“, sagt Sören.

Ein Beruf ohne Langeweile

Geregelte Arbeitszeiten gibt es als Bestatter nicht: „Es ist ein 24-Stunden-Job“, weiß Sören, der oft auch am Wochenende arbeiten muss. Hinzu kommt der Blockunterricht in der Berufsschule in Bad Kissingen. Alle vier Wochen lernt er 14 Tage im Unterricht alles über die Beratung von Angehörigen, Bestattungskultur, Geschäftsdokumentation oder auch Warenkunde. Neben guten Mathekenntnissen sollten Auszubildende auch die Rechtschreibung beherrschen, auf die es ankommt, wenn Zeitungsanzeigen oder Trauerbriefe verfasst werden. Viel wichtiger ist aber noch etwas anderes: „Eine gewisse Reife sollte man für den Job schon mitbringen“, sagt Sören.

Anteilnahme, Verständnis und Geduld sind nämlich besonders wichtig im Umgang und bei der Beratung von Hinterbliebenen. „Natürlich geht mir die Situation der Angehörigen auch nah“, erzählt Sören. „Man muss schon mitfühlen können – zu nah darf man das Ganze aber auch nicht mit an sich heranlassen.“ Was bei der Arbeit passiert, müsse auch da bleiben – dieser Vorsatz ist als Bestattungsfachkraft vielleicht noch wichtiger als in anderen Berufen.