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Frischluftliebhaber: Fischwirt Markus KastingViel Natur, aber auch viel Arbeit

Als Angler war der Schritt zum Fischwirt für Marius Kasting nicht weit. Doch der 19-Jährige hat schnell festgestellt, dass der Beruf wenig mit seinem Hobby zu tun hat. Bei Wind und Wetter muss er sich um die Fische kümmern und vollen Körpereinsatz bringen.

Kasting ist Azubi bei der Nordhauser Mühle in Ostercappeln. Die idyllisch gelegene Fischzucht produziert etwa 25 000 Tonen Fisch im Jahr. In den sieben Teichen und acht Becken schwimmen forellen-, karpfen- und barschartige Fische. Es werden Fische aus eigener Aufzucht für Freizeit und Beruf, Garten- und Angelteich, Teiche und Fließgewässer angeboten. Hauptkunden sind Fischereivereine, gastronomische Betriebe und die Laufkundschaft.

Lieber F(r)ischluft als Büro

Der 19-Jährige hat sich für die Ausbilung entschieden, weil er gerne mit Fischen zu tun hat und lieber an der frischen Luft ist als im Büro. „Von den Arbeitsabläufen hatte ich vorher noch keine genaue Vorstellung. Ich wollte einfach in der Natur und mit den Fischen sein“, sagt er. Nach zwei Praktika hatte er einen besseren Einblick und entschied sich für die Ausbildung.

Azubi-Portrait-Fischwirt-02

Die Ausbildung unterteilt sich in zwei Fachrichtungen: Küstenfischerei und Kleine Hochseefischerei auf der einen und Aquakultur sowie Binnenfischerei auf der anderen Seite. In beiden Fällen sind die Fischwirte bei Wind und Wetter draußen. Auf Nord- und Ostsee gehen sie auf Fangreisen, bringen Netze aus, fangen Krustentiere mit Körben und Reusen oder ernten Muschelbänke ab. Außerdem navigieren sie Kutter und kümmern sich darum, dass die Fanganlagen intakt sind.

Fischwirte der Fachrichtung Aquakultur und Binnenfischerei züchten zum Beispiel in Teichanlagen Süßwasserfische und -krebse, in Tanks beziehungsweise Becken auch Garnelen, in Aquakulturanlagen an den Küsten unter anderem Miesmuscheln. In Flüssen und Seen fischen sie Aale, Barsche oder Zander. Sie überwachen die Wasserqualität, pflegen natürliche Lebensräume, füttern die Fische und achten auf Anzeichen von Krankheiten oder Parasiten. Anlagen, Tanks und Betriebseinrichtungen halten sie in hygienisch einwandfreiem Zustand und pflegen Ausrüstung und Fischereigeräte. Für den Fang verwenden sie Stell- und Zugnetze oder Reusen. Sie sortieren Fische und verarbeiten sie weiter. Die Hälterung von Fischen für den Lebendverkauf sowie der Transport und Verkauf der fangfrischen Ware können ebenfalls zu ihren Aufgaben gehören.

Arbeiten als Fischwirt – keine leichte Sache

Kasting mag besonders die körperlich anstrengenden Tätigkeiten, wie das Abfischen. Beim Abfischen lässt man das Wasser weitgehend aus dem Teich und fängt die Fische mit dem Zugnetz, was viel Kraft erfordert. Danach werden sie auf dem Sortiertisch nach Art, Größe und Fettgehalt sortiert und dann in die Hälterung gegeben, wo die Fische zum Verkauf bereitstehen. „Anschließend weiß man, was man getan hat“, sagt der 19-Jährige.

Die Nordhauser Mühle befindet sich seit 1974 im Besitz der Familie Ruth und Helmut Schlie. Aufgrund der hervorragenden Wasserqualität des Mühlbaches wurde die Fischzucht Nordhauser Mühle gegründet. Damit entstand eine Aufzuchtstation für Forellen und Lachse. Bereits in den 1980er Jahren wurde dann verstärkt an der Entwicklung und Vermarktung verzehrfertiger Produkte gearbeitet. Anfangs wurden fast ausschließlich Forellen geräuchert, die später dann auch als Filet angeboten wurden.
Azubi Kasting ist mittlerweile im dritten Lehrjahr. Im Sommer wird er fertig – und muss die Nordhauser Mühle leider verlassen. Die Familie Schlie kann ihm keine Weiterbeschäftung bieten. Nach der Ausbildung beginnt der 19-Jährige deshalb eine neue Ausbildung, zum Verfahrenstechniker. Langfristig will er aber zurück zu den Fischen und der frischen Luft.